Rezension

Ein Himmel aus Lavendel – Marlena Anders

In diesem Jahr habe ich den Drachenmond-Verlag für mich entdeckt! ›Mondprinzessin‹ von Ava Reed ist eines meiner Jahreshighlights, weshalb ich wahnsinnig gespannt auf dieses Buch war. Das Cover und der Klappentext konnten mich begeistern und ich durfte dieses Buch in einer Leserunde auf LOVELYBOOKS, die Marlena Anders begleitet hat, kennen lernen.

Auf dem Cover ist ein Mädchen in einem schwarzen Kleid zu sehen. Im Vordergrund erkennt man eine Maske, die im Buch eine größere Rolle spielt. Der Hintergrund ist in einem schönen Lila gehalten, das unheimlich gut zum Titel passt. Um das Mädchen herum sind Funken zu sehen, die die Fähigkeit von Emery symbolisieren sollen. Insgesamt empfinde ich das Cover als sehr stimmig und es passt wahnsinnig gut zum Inhalt. Hier hat der Drachenmond Verlag wieder einmal ganze Arbeit geleistet: Das Cover von ›Mondprinzessin‹ war ebenfalls unglaublich schön und es passte auch sehr gut zum Buch.

Der Inhalt dieses Buches lässt sich knapp zusammen fassen: Um ihrer Familie ein normales Leben zu ermöglichen, schließt sich Emery einer Diebesbande an und verfügt seitdem über die Gabe sich in einen Phönix zu verwandeln. Doch sie bezahlt einen schrecklichen Preis dafür: Jede Verwandlung bringt sie einen Schritt näher an den Tod. Gerade, als Emery glaubt, dass es keinen Ausweg aus ihrer Situation gibt, taucht Nael auf. Er kennt die Rettung, aber auch seine Dämonen sind ihm dicht auf den Fersen. Es klang ziemlich spannend und ich habe eine Geschichte mit einer Protagonistin erwartet, die in einem Zwiespalt steckt: Soll sie ihre Familie retten oder doch lieber ihr eigenes Leben? Kann sie überhaupt so egoistisch sein und ihr Leben über die anderen stellen? In gewisser Weise wurden meine Erwartungen erfüllt und doch war es nicht das, was ich erwartet habe.

Unter jeder Kapitelüberschrift ist eine Maske zu sehen, die das Buch wirklich aufwertet. Es sieht sehr edel aus und da macht es wirklich Spaß zu lesen. Insgesamt gibt es dreiundzwanzig Kapitel, die alle eine angenehme Länge besitzen und ziemlich spannend enden. Der Schreibstil von Marlena Anders ist locker und wirklich leicht zu lesen. Er lässt ein tolles Kopfkino entstehen und man ist dadurch sofort in der Geschichte drin. Es liest sich sehr flüssig und ich bin beim Lesen auch nicht über etwaige Fehler o. ä. gestolpert. So macht es wirklich Spaß!

Die Welt von Unarmon, in die uns die Geschichte führt, ist zauberhaft. Man spürt die Magie, die bereits seit so vielen Jahren schlummert und man möchte selbst ein Teil davon sein. Dieses Buch spielt sich größenteils in der Hafenstadt Avize ab und man erfährt nicht viel von den anderen Städten. Aber das, was man erfährt, lädt einen zum Träumen ein. Die Gondeln, die auf den Flüssen fahren, erinnern stark an Venedig. Mir gefällt dieser Umstand wahnsinnig gut und auch die schönen Kleider, die die Frauen tragen und die Masken, die jeder (sofern er die finanziellen Mittel dafür besitzt) trägt, tragen zur Atmosphäre bei. Ich habe mich während des Lesens oft gefragt, ob man jemandem trauen kann, wenn man dessen Gesicht nicht sehen kann. Man erkennt Mimik des Gegenübers ja nicht mehr und gleichzeitig bildet sie eine Art Schutz. Das faszinierte mich wirklich sehr.

Emery ist eine Protagonistin, die ich anfangs sehr mochte. Ich konnte ihre Handlungen und Gefühle wirklich gut verstehen. Sie erinnert mich mit ihrer impulsiven Art und ihrem Beschützerinstinkt gegenüber ihrer Schwester Amra stark an Katniss Everdeen aus ›Die Tribute von Panem‹. Außerdem ist Emery diejenige, die ihre Familie versorgt, weil ihre Mutter dazu nicht mehr in der Lage ist. Allerdings ist mir Emery sympathischer als Katniss, die ich überhaupt nicht mag. Trotzdem konnte ich – besonders gegen Ende – Emery überhaupt nicht mehr verstehen und sie hat auch einige Minuspunkte bei mir gesammelt. Die Autorin betonte, dass ihr sie Selbstreflexion fehlen würde und ich stimme ihr da zu. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass sie – trotz ihres jungen Alters – sich erwachsener und mehr wie das Oberhaupt der Familie verhalten würde. Stattdessen wirkt sie zeitweise wie ein verzogener Teenager.

Bis auf Nael konnte ich zu allen Charakteren eine Bindung aufbauen und gerade Amra schloss ich schnell in mein Herz. Ich hatte bei Nael das Gefühl, dass er lediglich der Love Interest zu Emery bildet und er keine eigenständige Person ist. Er war mir viel zu oft auch zu undurchsichtig; zu mysteriös. In der Leserunde stieß Nael auf große Begeisterung und alle konnten bei ihnen mitfiebern, aber mir fehlte etwas. Es riss mich einfach nicht mit. Ich hoffe, dass sich das im nächsten Band ändern wird oder ich zumindest auf einen zweiten Love Interest stoßen werde, der interessanter ist als der erste.

Amras Geschichte war auch wirklich total schön zu lesen und die Szenen zwischen ihr und Emery waren meine liebsten. Obwohl Amra jünger ist, ist sie sehr viel ernster als ihre Schwester. Sie hat in der Persönlichkeit große Ähnlichkeit mit Primrose Everdeen (wenngleich sie nicht ganz so kindlich ist) und auch im Äußerlichen ähneln sich die beiden Figuren sehr. Man spürt die Liebe zwischen den beiden Schwestern wirklich sehr und ich konnte es wirklich verstehen, weshalb Emery Amra beschützen will. Man kann ja gar nicht anders!

Charaktere wie Idalyn, Ode, Rhys, Ascher und Caia waren wirklich total erfrischend und sie brachten auch den nötigen Humor mit. Für ›Ein Himmel aus Lavendel‹ sind sie wie das Salz in der Suppe und diese Charaktere trugen auch einen großen Teil der Spannung. Das Setting war zwar magisch, aber ich weiß nicht, ob ich das Buch ganz gelesen hätte, wenn diese Persönlichkeiten die Story nicht ganz gut aufgemischt hätten. Charaktere wie der Freund von Idalyn, die Mutter von Emery und Amra und Zohora blieben unglaublich blass. Ich hatte absolut kein Bild zu ihnen im Kopf und ich habe auch nicht das Gefühl, dass sie wahnsinnig wichtig waren. Für mich nahmen sie eher Statistenrollen ein und ich habe von einigen ja auch wieder den Namen vergessen.

Die Story an sich konnte mich zum größten Teil wirklich total begeistern. Ich war verzaubert von der Diebesbande. Dabei entstehen ja tolle Dynamiken: Feste Bindungen gibt es bei einer Diebesbande, echte Freundschaft, Liebe und auch Erzfeinde. Außerdem gibt es ja noch einen Boss bzw. Vorschriften, wogegen man rebellieren kann und auch Verrat kann hier durchaus seinen Platz finden. Ich finde das großartig und man leidet dabei mit Emery wirklich mit. Bis dahin war ich wirklich nicht gelangweilt und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Aber gegen Ende änderte sich das schlagartig und das lag an Emery. Ich konnte ihre Handlungen absolut nicht mehr nachvollziehen. Sie machte aus einer Mücke einen Elefanten und reagierte auch total überzogen. Weiterhin handelte sie nicht mehr so, wie ich es von ihr gewöhnt war: Der Schutz von Amra war nun kein Thema mehr. Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass Emery hier konsequenter gewesen wäre.

Des Weiteren nahm auch die Begeisterung für die Geschichte ab. Ich hatte in dieser Phase oft das Gefühl, dass ich nur ein stiller Beobachter vom Geschehen war und nicht mittendrin in der Geschichte. Bei einigen Gesprächen zwischen Emery und Nael dachte ich wirklich: „Das ist doch Blödsinn.“ Obwohl Nael von Anfang an mit offenen Karten gespielt hat, regte sich Emery grundlos darüber auf. Gewisse Dinge, die vorausschaubar waren, waren auf einmal eine riesige Überraschung. Ich habe hier oft mit den Augen rollen müssen und leider zog sich dieser Abschnitt für mich auch sehr.

Gegen Ende holte es aber noch einmal auf und es wurde noch einmal spannend. Dennoch fand ich einige Antworten, die ich bekommen habe, als unzureichend. Klar, es ist erst der erste Band von dreien, aber ich hätte mir hier doch etwas mehr erhofft, nachdem man so lange im Dunkeln tappte. Nichtsdestotrotz konnte mich das Ende wirklich sehr überraschen. Mit einigen Wendungen, die nun kamen, habe ich überhaupt nicht gerechnet und ich konnte in diesen Szenen auch wieder mit Emery mitfühlen. Ihre Gefühle wurden wirklich gut geschildert und die anfängliche Begeisterung packte mich wieder. Das Ende war aber auch ein gemeiner Cliffhanger und ich freue mich riesig auf den zweiten Band, der nächstes Jahr erscheinen soll.

Über die Autorin

Marlena Anders wurde 1994 in Wolfsburg geboren. Mit vierzehn Jahren schrieb sie ihre ersten Kurzgeschichten und mit jeder Zeile wuchs der Wunsch, einen Roman zu veröffentlichen. Mit der Zeit entstand die Idee zur Trilogie ›Ein Himmel aus Lavendel‹. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin widmet sie sich ihrem Studium der Rechtswissenschaften.

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