Rezension

Hundert minus einen Tag – Kim Leopold

Da ich in der letzten Zeit einige Liebesromane gelesen habe, die in der Weihnachtszeit spielen, habe ich mir gedacht, dass ich bis zum 24. Dezember einen kleinen Countdown veranstalte. Jeden Tag möchte ich einen anderen Weihnachtsroman vorstellen. Die Novelle von der Selfpublisherin Kim Leopold macht hier den Anfang. Ich durfte den Roman im Rahmen einer Leserunde auf LOVELYBOOKS kennen lernen, aber das beeinflusst nicht meine Bewertung. Durch die Leseprobe, die ihrem Roman ›Ascheregen‹ aus der How To Be Happy-Reihe beigefügt war, wurde ich auf die Geschichte von Alina und Cameron aufmerksam. Ich wollte unbedingt wissen, wie es zwischen den beiden weitergeht, weshalb ich mich für die Leserunde beworben habe.

Weihnachten:
Die einzige Zeit im Jahr, in der du vor einem sterbenden Baum sitzen und Süßigkeiten aus Socken essen kannst. – (Position 13-15)

Mich konnten die bisherigen Bücher der Autorin sehr begeistern, weshalb meine Erwartungen an diese Novelle recht hoch waren. Wenn ich die Autorin nicht kennen würde und ich die Kaufentscheidung alleine vom Cover hätte abhängig machen müssen, dann hätte ich zu dieser Novelle definitiv nicht zugegriffen. Mir gefällt das Cover und die Farbgebung davon leider überhaupt nicht. Es ist eher rötlich bzw. es geht schon in die Richtung Bronze und das sagt mir wirklich gar nicht zu. Es gibt sicher Personen, die dieses Cover super finden, aber ich gehöre da nicht zu.

Der Schreibstil von Kim Leopold ist wie gewohnt unglaublich gut: Man kann sich sehr gut in die Charaktere einfühlen und besonders mit Alina konnte ich mich total identifizieren. Wie immer ist ihr Schreibstil leicht zu lesen und ermöglicht einen angenehmen Lesefluss. Er ist auch leicht verständlich, sodass man die Novelle auch nach einem harten Arbeitstag genießen kann. Es entspannt einfach. Charakteristisch für ihren Schreibstil ist, dass sie die Gedanken, Gefühle und Handlungen der Charaktere unheimlich gut beschreibt. Dadurch ist man in der Geschichte mittendrin und man fiebert total mit. Das gefällt mir unglaublich gut. Auch lässt sie ein wahres Kopfkino entstehen, sodass man wirklich glaubt, dass man dabei ist.

Die Charaktere sind total gut ausgearbeitet und mir gefällt es, dass Alina und Cameron Figuren sind, die auch ihre Probleme haben. Beide haben ihr Päckchen zu tragen und das gefällt mir richtig gut. Ich konnte mich mit Alina total gut identifizieren, weil jeder einen Traum hat, der für einen unerreichbar erscheint. Man glaubt nicht an sich selbst und daran, dass man es wirklich schaffen könnte und das trifft auch auf mich zu. Außerdem hat jeder einmal Vertrauen in die falsche Person gesetzt und der Schmerz, den Alina durchlebt, ist wirklich gut beschrieben. Man fühlt mit ihr mit und man kann sie wirklich gut verstehen.
Auch Cameron mochte ich von Anfang an sehr, weil er der Strahlemann ist, der Alina aufmuntern möchte. Er bildet einen guten Gegensatz zu ihr, sodass man die Geschichte der beiden wirklich gerne verfolgt. Dennoch wird einem klar, dass Cam unter seiner Maske etwas verstecken möchte und man ahnt, dass hinter seiner Aufmunterungsaktion etwas mehr steckt, als es scheint. Beide Charaktere waren für mich wie gute Freunde, die man nach einer langen Zeit wieder sieht und man vermisst sie schmerzlich, wenn man von ihnen Abschied nehmen muss.

Er hat mich gehen lassen, damit ich mein Glück woanders finden kann.
– (Position 365-366)

Die Story ist ziemlich vorhersehbar, aber bei einem Liebesroman (und noch dazu einer Novelle, die ja recht kurz ist), kann man keine raffinierten Handlungsstränge erwarten, weshalb mich das nicht stört. Trotzdem gewinnt die Novelle unerwartet an Tiefe und Kim Leopold konnte mich mit einigen Wendungen definitiv überraschen. Ich hätte nicht erwartet, dass sie so ein ernstes Thema zur Sprache bringt, was ich einerseits gut finde, weil sich das nicht jeder Autor traut. Auf der anderen Seite konnte sie das Thema aufgrund der Kürze nicht richtig behandeln und ich hätte mir hier einige Seiten mehr gewünscht, damit das Thema die Aufmerksamkeit bekommt, die es gebraucht hätte.
Ein anderer Kritikpunkt ist, dass es mir etwas zu schnell ging zwischen Alina und Cam. Immerhin kennen sie sich erst wenige Tage und schon empfindet sie etwas für ihn?! Auch hier sehe ich es wieder zwiespaltig: Ich kann es aber auch verstehen, weil Alina ja frisch getrennt ist und sie sich irgendwie an Cam „klammert“ und sie für ihren Exfreund nicht mehr viel empfand. Nachdem ich das Buch aber zu Ende gelesen habe, kann ich sagen, dass die Beziehung zwischen Cam und Alina so schnell gehen musste – eben wegen des unerwarteten Themas.
Positiv fand ich, dass sie – nachdem sie sich am Hauptbahnhof in Münster kennen lernten – in einem Burgerrestaurant aßen. Das ist so bodenständig und mir irgendwie total sympathisch. Cam denkt sich über die Feiertage auch kleine Aufgaben aus, um Alina aufzumuntern und Zeit mit ihr zu verbringen. Ich musste beim Lesen teilweise lachen, weil die Aufgaben manchmal wirklich zu komisch waren. Je mehr ich vom Buch gelesen hatte, desto mehr fieberte ich bei den beiden mit.
Das Ende war zwar etwas klischeehaft, aber auch richtig passend: Ein anderes Ende wäre definitiv fehl am Platz gewesen und hätte den guten Eindruck von dieser Weihnachtsnovelle wohl zerstört. Alles in allem war das eine Novelle, die einen entspannt und die man nach einem harten Tag gerne liest. Es ist einfach ein Wohlfühlbuch!
Alina und Cameron werden im dritten Band von der How To Be Happy-Reihe auftauchen und ich freue mich schon sehr darauf mehr von den beiden zu lesen. Ich habe es sehr bedauert, dass es „nur“ eine Novelle war, weil sie mir beide so unglaublich sympathisch waren.

Fazit
Ich bewerte diese Novelle mit fünf von fünf möglichen Sternen und kann es jedem empfehlen, der auf der Suche nach etwas Romantik in den Feiertagen ist. Da es eine Novelle ist, eignet sie sich sehr gut für zwischendurch.

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