Rezension

Winterzauberküsse – Sue Moorcroft

Winterzauberküsse von Sue Moorcroft ist das Buch des Monats Dezember im FISCHER Leseclub und ich war von Anfang an verzaubert von diesem Buch. Allein das Cover ist wunderschön gestaltet. Außerdem gibt es kleine Erhebungen und ein bisschen Glitzer darauf, was einen sofort in eine winterliche Atmosphäre versetzt. Der pinke Schriftzug passt auch recht gut dazu, obwohl man das Cover mit blauem Schriftzug ebenfalls erwerben kann. Auch der Klappentext hat mich direkt angesprochen, weshalb ich dieses Buch unbedingt lesen wollte:

Hutmacherin Ava trifft Sam auf einer hippen Londoner Vorweihnachtsparty. Er möchte, dass sie einen Hut als Geschenk für seine schwerkranke Mutter Wendy fertigt. Wendy ist entzückt, denn sie glaubt, Sam sei mit Ava zusammen. Wie Sam ihr diese Freude zerstören? Also bittet er Ava, so zu tun, als wären sie ein Paar – nur für die Vorweihnachtszeit…

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir unglaublich leicht und der Schreibstil ist sehr angenehm. Er ist flüssig und leicht verständlich. Die kurzen Kapitel tragen dazu bei, dass man förmlich durch die Seiten fliegt und Sue Moorcroft schafft es, mich zwischendurch richtig zu fesseln, aber wirklich überzeugen konnte sie mich trotzdem nicht. Das Buch macht deshalb unglaublich viel Spaß, aber es fehlte mir einfach etwas.
Des Weiteren gibt es im Buch häufige Sichtwechsel – einmal wird aus Avas Sicht die Geschichte erzählt, dann wieder aus Sams – was an sich nicht schlecht ist, aber mir hier nicht wirklich gefällt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Sichtwechsel entsprechend markiert werden und als Überschrift „Sam“ oder „Ava“ genommen wird, sodass man weiß, dass jetzt ein Perspektivenwechsel folgt. Außerdem scheinen beide kein Verständnis für den jeweils anderen zu haben, sodass eine Situation aufkommt, die mich ein wenig an Stolz und Vorurteil erinnert. Leider wurde dieses Szenario bereits so oft verwurstet, dass ich es schon nicht mehr lesen kann und will.

Die Protagonistin Ava war mir eigentlich recht sympathisch, obwohl ich einige ihrer Handlungen und Gedankengänge überhaupt nicht verstanden habe. Dabei spreche ich auch ziemlich vom Ende und ich kann nicht fassen, dass Ava trotz allem noch loyal sein kann. Ohnehin hat es mich etwas gestört, dass scheinbar jeder Kerl auf Ava zu stehen schien und alle anderen Frauen neben ihr schon förmlich verblassten. Ich musste beim Lesen mehr als einmal mit den Augen rollen und mir war ihre beste Freundin Izz anfangs auch sehr viel sympathischer.
Izz hat ihre Probleme damit, mit fremden Menschen zu sprechen und einen Mann kennen zu lernen, der sie trotz des Makels so nimmt wie sie eben ist. Dennoch ist Izz hier nicht sonderlich tolerant. Bis zum letzten Drittel mochte ich sie wirklich gern, doch das änderte sich schlagartig. Die anderen weiblichen Charaktere waren ziemlich blass und sind mir nicht wirklich im Gedächtnis geblieben.
Einzig Wendy konnte mich von Anfang an für sich gewinnen und das änderte sich auch im gesamten Verlauf nicht. Sie war so stark, mutig und warmherzig, dass ich sie einfach nur mögen konnte! Ihr Schicksal hat mich unglaublich berührt und ich fand sie teilweise auch ziemlich naiv, aber das machte sie wieder wett, indem sie mich einige Male überraschen konnte.

Den Protagonisten Sam mochte ich, obwohl ich seinen Hintergrund etwas zu dramatisch finde und ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin bei diesem Thema noch etwas mehr in die Tiefe geht und es nicht kurz abhandelt. Trotzdem hat er nur sehr wenig Verständnis für Ava und kann sich kaum in ihre Lage versetzen, was ich irgendwie verstehen kann. Wenn es einem schlecht geht, dann zählt nur der eigene Schmerz und nicht das, was man bei seinem Gegenüber angerichtet haben könnte. Ansonsten passt Sam ziemlich gut zu Ava und er trägt sie auch auf Händen.
Mit Patrick gab es noch einen männlichen Charakter, der erwähnenswert wäre. Patrick erscheint einem gleich als ziemlich unsympathisch und das änderte sich auch nicht. Sicher, er hatte seinen Moment, in dem er Courage zeigt, aber trotzdem wertet ihn das nicht auf. Nichtsdestotrotz bleibt er einem negativ im Gedächtnis und er ist eigentlich auch der Gegenspieler zu Sam. Letzten Endes ist er ein schlechter Verlierer. Es gab noch einige andere männliche Charaktere, aber Sam und Patrick sind hier wohl die wichtigsten.

»Ich werde versuchen, mich mit dem Thema Vertrauen auseinanderzusetzen, und du wirst versuchen, mir zu vertrauen, und mich daran erinnern, wenn ich es vergessen sollte.« – Sam zu Ava (S. 410)

Ich habe von Winterzauberküsse eine tolle, weihnachtliche Story erwartet und bin in diesem Punkt enttäuscht worden. Zwar spielt die Story in der Vorweihnachtszeit, aber es kommt kein weihnachtliches Gefühl auf. Leider konnte mich die Liebesgeschichte auch nicht überzeugen, weshalb ich darüber auch nicht hinwegsehen kann. Zwischen Sam und Ava kommt kein wirkliches Prickeln auf, sodass ich nicht mit den beiden mitfiebern konnte und ich fühlte mich auch eher wie ein Zuschauer bei diesem Buch. Ich war nicht mittendrin. Die schwierigen Themen, die in dieser Geschichte angesprochen wurden, hätte ich gut gefunden, wenn sie die Aufmerksamkeit bekommen hätten, die sie bräuchten. Stattdessen drängte sich die Liebesgeschichte hier viel zu sehr in den Vordergrund und zurück blieb nur das Gefühl, dass Sue Moorcroft hier einfach zu viel gewollt hat. Auch das Hin und Her zwischen Ava und Sam war mir einfach zu viel gewesen und sie hätten gewisse Missverständnisse viel eher aus dem Weg räumen können, wenn sie sich auf die Sichtweise des anderen eingelassen hätten. Dennoch war die Geschichte an sich ganz nett.
Das Ende war mir auch zu abrupt und nur durch Anmerkungen der Autorin erfährt man wichtige Details. Fast alles wurde in einem Satz aufgeklärt und das missfällt mir sehr. Ich hätte mir gewünscht, dass hier mehr Zeit und Tiefe investiert worden wäre, denn dann hätte Winterzauberküsse zu einem echt tollen Winterroman werden können.

Fazit
Ich kann Winterzauberküsse leider nur mit drei von fünf Sternen bewerten und jeder, der einen Winterroman mit weihnachtlichem Flair lesen wollen, ist mit einem anderen Buch deutlich besser beraten. Schade!

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